Eine Seilbahn für Bonn – gar nicht so abgehoben

Als ich zum ersten Mal von der Idee hörte, in Bonn eine Seilbahn zu bauen, war mein erster Reflex der Gedanke: „Ein typisches Bonner Schwachsinns-Projekt, wie die Zweisystem-Flughafenbahn, die Südtangente oder das Beethoven-Brimborium“. Je länger ich mich damit auseinandersetze, desto sinnvoller wird das Projekt jedoch in meinen Augen.

Der Venusberg hat ein Verkehrsproblem

Straßen zum Venusberg

Straßen zum Venusberg

Zum Venusberg gibt es aktuell zwei Straßenverbindungen. Die Hauptverbindung ist die Robert-Koch-Straße, die den Venusberg von Norden erreicht. Diese Verbindung ist hoch belastet. Der öffentliche Nahverkehr besteht aus Bussen, die sich durch Poppelsdorf oder die Südstadt quälen müssen. Grade im Berufsverkehr ist es nicht selten, dass in Poppelsdorf überfüllte Gelenkbusse im Fünf-Minuten-Abstand im Stau stehen. Weitere Busse würden die Probleme nur noch verschärfen. Auch Schnellbusse sind keine Lösung, weil es keine Alternativrouten gibt, auf denen die Busse nicht im Stau stünden. Als zweite Verbindung auf den Venusberg erreicht der Haager Weg den Bereich von Südwesten. Diese Verbindung führt durch enge Wohnstraßen in Ippendorf und sollte nicht zusätzlich belastet werden.

Nichtstun ist keine Option
Es ist allgemein anerkannt, dass Verkehrsstaus realen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen (z.B. hier) – Bonn kann es sich schlicht nicht leisten, das Problem zu ignorieren. Jede Lösung für das Verkehrsproblem wird Geld kosten, aber die direkten und indirekten Kosten das Nichtstuns sollte man dabei nicht aus dem Auge verlieren. Leider ist der wirtschaftliche Nutzen von Infrastruktur-Maßnahmen selten offensichtlich, aber er ist real. Allein schon der Erhalt und mögliche Zuwachs an Arbeitsplätzen im Uni-Klinikum hat für die Stadt Bonn handfeste finanzielle Folgen, die ganz wesentlich von der Lösung des Verkehrsproblems abhängen.

Die klassischen Lösungen versagen hier
Der Venusberg liegt etwa 100 Meter oberhalb des Hauptteils der Stadt und ist zudem von Landschafts-Schutzgebieten umgeben. Diese Lage erschwert alle klassischen Lösungen. Eine Straße aus Richtung Godesberg würde eine Schneise durch den Kottenforst schlagen. Eine Straßenbahn vom Hauptbahnhof aus würde entweder ebenfalls in Poppelsdorf im Stau stehen oder einen Tunnel erfordern, der selbst im günstigsten Fall kaum unter 300 Millionen Euro zu haben wäre. Die immer wieder angeführte Südtangente würde die Klinik unterqueren und lässt sich nicht praktikabel an den Venusberg anbinden.

Eine Seilbahn ist günstig zu haben
Für die Venusberg-Seilbahn liegt noch keine Kostenschätzung vor. Fest steht jedoch, dass sich die Investitionskosten einer Seilbahn auf die Stationen, Masten, Seile und Kabinen beschränken. Insbesondere sind keine Eingriffe in die überschwebten Bereiche notwendig. Deshalb ist eine Seilbahn kostengünstig zu bauen. Die genannte Größenordnung von 20-50 Millionen klingt erst einmal nach viel Geld, relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass allein der Bau der Hochbahnsteige an der Haltestelle Stadthaus bereits 6 Millionen gekostet hat.

Was kann die Seilbahn?
Sinn und Unsinn einer Seilbahn hängt ganz wesentlich von der Lage ab. Im Idealfall liegen die Stationen direkt an Halten von Eisen- oder Straßenbahn und führen von dort in möglichst direkter Linie über natürliche Hindernisse, so dass der kurze Weg die verhältnismäßig Geringe Geschwindigkeit aufwiegt. Als Verknüpfungspunkt im Tal bietet sich der im Bau befindliche Bahnhof UN Campus an der DB-Strecke an, weitere Punkte, an denen Stationen denkbar wären, sind der Hindenburgplatz, die Station Olof-Palme-Allee, sowie rechtsrheinisch der U-Bahnhof Ramersdorf, die Station Bonn-Ramersdorf der S13 auf Höhe der Straßenbahnstation Schießbergweg oder der Bahnhof Oberkassel. Auf dem Venusberg selbst kommt eine Station entweder im Bereich Sertürnerstraße (gute Anbindung an Buslinien) oder der bisherige Hubschrauberlandeplatz in der Nähe der Hauptpforte (zentrale Lage im Klinikum) in Frage.


Jeder der untersuchten Trassenvarianten kann eine Querspange zwischen bestehenden Vekehrslinien bilden und zum Teil in erheblichem Maß auch Fahrgastströme bedienen, die Wege zwischen diesen bisher nur über den Hauptbahnhof verbundenen Punkte ankürzen wollen. Generell kann man zwischen dem linksrheinischen Tal und dem Venusberg 4-6 Minuten Fahrzeit kalkulieren, aus dem rechtsrheinischen Raum auf den Venusberg würden es wohl 10-12 Minuten werden. Dazu kommt, dass sich eine Seilbahn mit nahezu beliebig vielen Kabinen bestücken lässt, also beispielsweise alle zwei Minuten eine Kabine fahren würde – entsprechend bestünde an den Umsteigepunkten ein direkter Anschluss an die Seilbahn ohne lange Wartezeit, auch bei verspäteten Zügen.

Was ist geplant
Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie, die mögliche Streckenführungen finden und dazu Fahrgastzahlen und Kosten berechnen soll. Begleitet wird diese Studie durch Dialogveranstaltungen mit interessierten Bürgern und einer Online-Platform, auf der auch die Vorträge der bisherigen Veranstaltungen abrufbar sind und Diskussionsmöglichkeiten bestehen.

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Gelasert

Mein Weg zu gelaserten Augen begann mit einem Satz, von dem ich nie geglaubt hätte, ihn jemals von einem deutschen Krankenhaus zu hören: „Zum Quick-Check können sie zu diesen Zeiten ohne Anmeldung vorbeikommen, die Untersuchung ist für Sie kostenlos“ – also machte ich mich am folgenden Tag auf den Weg in die Klinik, wo tatsächlich alles schnell und unkompliziert ablief. Zum einen wurde meine Kurzsichtigkeit gemessen, mit einem Gerät, wie man es von jedem Augenarzt kennt, zum anderen wurde die Dicke meiner Hornhaut bestimmt, das war auch ein Gerät, bei dem ich einfach einige Sekunden geradeaus gucken musste.

Im Anschluss hatte ich ein Gespräch mit dem Oberarzt, der mir erläuterte, dass meine Werte in Bereichen liegen, in denen eine Laser-OP möglich ist, wobei meine Hornhaut sogar außergewöhnlich dick war. Weil bei der OP ein Teil der Hornhaut abgetragen wird, ist die Hornhautdicke entscheidend dafür, ob eine Operation überhaupt möglich ist, weil auch nach der OP noch genug Dicke vorhanden sein muss. Mein Auge erlaubte im Prinzip alle praktizierten Verfahren, die mir der Oberarzt kurz erläuterte.  Wenn ich eine Operation angehen wollte, wäre der nächste Schritt eine große Voruntersuchung, bei der mein Auge ausführlich vermessen würde.

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Große Voruntersuchung

Also vereinbarte ich am folgenden Tag einen Termin für eine große Voruntersuchung. Limitierender Faktor für den zeitlichen Ablauf war dabei der Umstand, dass das Auge in seinem natürlichen Zustand ausgemessen werden muss und Kontaktlinsen das Auge leicht verformen. Deshalb durfte ich für zwei Wochen vor der Untersuchung keine Linsen tragen. Etwas lästig, aber ich wollte die Dinger ja ganz loswerden.

Am Tag der Untersuchung wurde ich dann über drei Stunden immer wieder an verschiedene Messinstrumente gesetzt, außerdem gab es nochmal die ganzen Sehtests, die man von einer ausführlichen Untersuchung beim Augenarzt kennt – Zahlen vorlesen, während man verschiedene Linsen vorm Auge hat, Test zum räumlichen Sehen. Zwischendurch mal eine halbe Stunde Wartezeit, während das Auge weit getropft wird, woran man dann noch den ganzen Tag Vergnügen hat, weil das Fokussieren so extrem schwer fällt.

Das interessanteste Ergebnis war, dass festgestellt wurde, dass ich (nach außen) schiele. Das war der eine Punkt, der eine gewisse Unsicherheit für das Operationsergebnis brachte, weil Schielen, soweit ich das verstanden habe, wie eine zusätzliche Kurzsichtigkeit wirkt. Jedenfalls war sich die Ärztin unsicher, inwieweit das Schielen möglicherweise von meiner viel zu alten Brille ausgelöst würde. Deshalb sollte ich nochmals wiederkommen, aber diesmal mit Kontaktlinsen. Und tatsächlich zeigte sich bei der erneuten Untersuchung, dass mein Schielen mit den Kontaktlinsen weniger ausgeprägt war.

Im Anschluss an die Untersuchung gab es dann ein weiteres Gespräch mit dem Oberarzt, der mir dann nochmals den Ablauf der Operation erklärte, wobei er die SMILE-Methode anwenden wollte. Dann wurde ich gefragt, ob ich mir die Sache nochmal überlegen wollte oder direkt einen OP-Termin vereinbaren. Ich entschied mich für letztere Variante und verabredete einen Termin 10 Tage später.

Operation

Der Tag der Operation begann etwas seltsam. Eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Termin bekam ich einen Anruf, ob ich schon da sei. Zu diesem Zeitpunkt stand ich vor der Klinik und wartete noch auf meinen Vater, mit dem ich mich dort treffen wollte. Also ging ich rein und wurde direkt in die Umkleide durchgewunken, wo ich einen Kittel und eine Haube übergestreift bekam. Dann wurde ich in einen Nebenraum gesetzt, wo grade ein anderer Patient den Gebrauch verschiedener Augentropfen erklärt bekam. Beim rausgehen sprach mich dann der Arzt an „Sind Sie der Herr Brückel? Sie können eigentlich direkt mitkommen“ und führte mich in den Operationssaal. Ein relativ kleiner, blau gekachelter Raum, in dessen Mitte ein kreisrundes Podest steht mit einer Liegefläche darauf. Als ich darauf drapiert worden war, begrüßte mich der Oberarzt und erklärte mir, dass er sich am Morgen nochmals meine Werte angeschaut habe und sich bezüglich des Verfahrens umentschieden habe und bei mir eine Femto-LASIK für die bessere Methode hielte. Er bot mir an, da nochmal drüber nachzudenken oder auch ganz abzubrechen und einen neuen Termin zu vereinbaren. Weil bis jetzt alles sehr schnell gegangen war und ich bisher noch nicht einmal meinen Vater gesehen hatte, bat ich mir zehn Minuten Bedenkzeit aus und wurde nochmal ins Vorzimmer geführt.
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Im Vorzimmer traf ich dann meinen Vater und kurz darauf kam der Oberarzt zu uns, um nochmal zu erläutern, warum er sich umentschieden hatte. Wesentliches Argument war, dass es wegen meines Schielens passieren könne, dass das Operationsergebnis nicht die optimale Sehstärke trifft und es bei der Femto-LASIK möglich sei, das Ergebnis auf gleichem Wege nachzukorrigieren, was bei der SMILE nur deutlich komplizierter zu machen sei. Mir persönlich war das SMILE-Verfahren eigentlich seit ich davon gehört hatte das sympatischste, weil dabei am wenigsten am Auge geschnitten wird, aber andererseits fand ich es auch vertrauenerweckend, dass der operierende Arzt bereit war, seine eigenen früheren Entscheidungen in Frage zu stellen und sich nochmals individuell mit meinem Auge auseinandergesetzt hatte. So machte ich mich also wieder auf den Weg in den Operationssaal.

Auf der Liege bekam ich nun nach und nach mehrmals Augentropfen, die das Auge betäuben sollten. Nach einiger Zeit wurde dann die ganze Liege gedreht und ich lag unter dem Laser. Bläulich schimmerndes Licht und direkt über einem Auge ein weiß leuchtender Ring. Ich bekam eine Klammer auf’s Auge, die die Lider offen hielt und der Ring wurde über meinem Auge positioniert und ich bekam die Aufgabe, einen grünen Lichtpunkt zu fixieren. Dann ein „So, das war’s schon“ und das Gerät wurde wieder hochgefahren. Der Laser hatte eine Klappe in meine Hornhaut geschnitten, ohne dass ich davon irgendetwas mitbekommen hatte. Anschließend wurde das Gerät über meinem anderen Auge positioniert – und musste erst einmal neu gestartet werden. „Das dauert jetzt anderthalb Minuten“ Nachdem das Gerät bereit war, wiederholte sich die Erfahrung des anderen Auges. Anschließend wurde der Tisch, auf dem ich lag, wieder gedreht.

Nun wurde meine ganze Augenpartie mit Jod desinfiziert. Anschließend sollte ich das rechte Auge öffnen und nach oben schauen. Über das Auge wurde ein Papiertuch gelegt, mit einem Schlitz mit klebenden Kanten, an denen die Wimpern fixiert wurden. Nun hatte ich als ein Tuch über dem Gesicht, aus dem nur das rechte Auge ausgespart war. Jetzt kam der fiese Teil. Über dem Auge zwei Ringe weißer Lichtpunkte. „Das Licht ist garstig hell, aber sie müssen da rein gucken“ Dann sehe ich einen Draht auftauschen und auf einmal sehe ich nur noch verschwommen. Der Operateur hatte die vorher geschnittene Klappe der Hornhaut aufgeklappt. Ein seltsames Muster roter Punkte, aber immerhin sehe ich die scharf. „Jetzt nicht mehr bewegen, das wird jetzt ein wenig stinken“. Dann Ansagen „30 Prozent – 50 Prozent – 80 Prozent – das war’s“. Dann wurde noch irgendwas gemacht „Jetzt das Auge schließen“. Mein Herz rast. „Alles klar? Sie sind etwas bleich. Wir machen eine Pause, bewegen Sie mal die Beine“. Langsam beruhige ich mich. Mein rechtes Auge ist fertig gelasert!

Ein paar Minuten später wiederholt sich alles mit dem linken Auge. Diesmal spüre ich die Berührung mit dem Draht und melde das. Ich bekomme weitere Tropfen, kurz darauf ein zweiter Versuch. Ich spüre nichts mehr, aber das komische Gefühl bleibt, wenn die Sicht auf einmal milchig wird. Wieder rotes Licht, der Operateur liest den Fortschrittsbalken vor. Noch ein paar Tropfen, Augen zu. Fertig. Der Tisch wird gedreht, ich soll mich erstmal hinsetzen, die Augen weiter geschlossen.

Auf beiden Seiten berührt mich jemand am Arm, ich soll aufstehen. Warnung vor einer Stufe, ich blinzele kurz. Ein paar Schritte, eine Kurve und ich werde in einen Liegestuhl gesetzt, soll da erstmal eine halbe Stunde bleiben. Mein Vater kommt dazu will wissen, wie es war, ich noch total überfordert und will einfach nur Ruhe. Das rechte Auge fühlt sich trocken an, als wenn ich Sand im Auge hätte, das linke spüre ich überhaupt nicht. Nach einer halben Stunde kommt der Arzt vorbei, meint das wäre völlig normal, fast niemand würde beide Augen spüren, das sei eigentlich immer nur eins. Ich werde in ein Zimmer geleitet, auf einen Stuhl, soll das Kinn auflegen. Augen auf. Ich bekomme ins Auge geleuchtet, sieht alles gut aus. Augen wieder zu, sollen noch die nächsten zwei Stunden überwiegend geschlossen bleiben. Augentropfen. Antibiotikum zweimal täglich, Cortison fünfmal täglich, heute alle zwei Stunden. Untersuchung morgen um elf. Ich bekomme den Kittel ausgezogen, Jacke an, Sonnenbrille und dann führt mich mein Vater zum Auto. Ich blinzele kurz und bemerke, dass alles was milchig, aber scharf aussieht.

Genesung

Nach zwei Stunden beginne ich, die Augen aufzumachen. Anfangs nur halb und nur für eine Minute oder so.  Im Laufe der Zeit zunehmend länger, zwischendurch versuche ich, immer wieder, etwas zu schlafen. Etwa sechs Stunden nach der Operation ist das Fremdkörpergefühl komplett weg, die Augen fühlen sich etwas gereizt an, aber ansonsten völlig normal. Ich kann sehen! Immer klarer!

Als mich die Eltern fragen, ob ich denn jetzt besser gucken könnte als vorher, fehlen mir die Worte. Ich bin etwas lichtempfindlich, aber ansonsten sehe ich mindestens so gut wie vorher mit den Linsen.

Am nächsten Morgen dann wieder zur Untersuchung in die Klinik. Es ist Samstag, außer uns nur ganz vereinzelte Menschen auf den Fluren. Ich komme an die Sehtestmaschine, dann wird mir ins Auge geleuchtet – es ist alles verheilt. Kein Infektionsrisiko mehr, Antibiotikum noch einen weiteren Tag, dann absetzen, das Cortison im Laufe der kommenden Woche reduzieren. Zusätzlich bekomme ich künstliche Tränen, um das Auge feucht zu halten. Sehtest. Ich lese die Zahlen vor. Kleinere Zahlen. Noch kleinere Zahlen. Der Arzt scheint ehrgeizig, zeigt mir noch eine Tafel „kneifen Sie mal die Augen zusammen“ ich rate mehr als ich erkenne „Das war die kleinste Tafel, die wir haben, 160% Sehstärke“. Mein Vater saß einen Meter näher an der Leinwand und meint, er hätte schon lange nichts mehr erkannt. Das Messgerät hat meine Augen mit +0,25 und 0 Dioptrien bestimmt. Die Werte können sich in den nächsten Tagen noch etwas verschieben, wahrscheinlich eher ins Minus, aber bis jetzt sieht das Ergebnis fast unglaublich gut aus.

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Warum tut man sowas?

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Seit dem zweiten Schuljahr bin ich Brillenträger. Im Laufe der Jahre nahm meine Kurzsichtigkeit immer weiter zu, bis ich mit etwa 15 Jahren bei knapp -7 Dioptrien angekommen war. Meine Sehschwäche hat mich stark geprägt. Ich war immer Teil der Gruppe der Brillenträger, derer, die schlecht im Sport waren. Konnte nie gut fangen oder zielen, im Schwimmbad ziemlich hilflos. Ich hab nur einmal beim Spielen eine Brille zerdeppert, aber hinterher war ich noch vorsichtiger, zurückhaltender.

In der Oberstufe unternahm ich einen ersten Versuch mit Kontaktlinsen. Der Unterschied im Alltag war bemerkenswert: auf einmal hatte ich ein viel weiteres Sichtfeld, konnte besser räumlich sehen und mich bewegen, ohne ständig Angst um meine Brille zu haben. Leider erwiesen sich meine Augen als ziemlich empfindlich, meistens musste ich die Linsen nach spätestens 12 Stunden wieder raus nehmen, weil die Augen trocken wurden, zu brennen anfingen. Nach zwei, drei Jahren trug ich die Linsen deshalb immer seltener und schließlich gar nicht mehr.

Einige Jahre später startete ich einen neuen Versuch, weil die Einschränkungen durch die Brille blieben. Diesmal vertrug ich die Kontaktlinsen deutlich besser. Etwa zur gleichen Zeit befasste ich mich erstmals mit dem Gedanken, meine Kurzsichtigkeit per Laser korrigieren zu lassen. Die Aussicht, nicht mehr auf eine Sehhilfe angewiesen zu sein, war schon damals verlockend. Grade die Zeit des Wehrdienstes hatte mir sehr eindrücklich deutlich gemacht, wie eingeschränkt ich dadurch war – mit der Brille war ich deutlich weniger fähig, Kontaktlinsen waren wegen der Frage der Pflege und Aufbewahrung nicht praktikabel. Allerdings waren die Schilderungen, wie eine Laser-OP verläuft, schon ziemlich abschreckend. Weil ich mir den Kontaktlinsen eine gute Korrektur hatte, verfolgte ich das Thema damals nicht weiter, lernte mit den praktischen Einschränkungen der Linsen zu leben.

Ohne Sehhilfe fühlte ich mich schon lange hilflos. Meistens trug ich beim Schlafen die Brille, weil ich nicht bei jedem Aufwachen nach ihr tasten müssen wollte. Im Laufe der Zeit war die Brille in immer schlechterem Zustand, weil ich im Alltag immer Linsen trug und nie den Aufwand und die Kosten einer neuen Brille rechtfertigen konnte. Die Brille wurde zum Symbol. Wenn ich tagsüber die Brille trug, war ich entweder erkältet oder es ging mir anderweitig richtig dreckig.

In letzter Zeit ist mein Leben in Bewegung gekommen. Ich habe viele Gewohnheiten in Frage gestellt. Dazu gehörte auch, dass ich öfters mal spontan unterwegs war. Ohne zu wissen, wann ich wieder nach Hause kommen würde. Damit stellte sich mir auch wieder die Frage, ob ich jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse, Kontaktlinsenpflege und Brille mit mir herumtragen will. Das war für mich der Anlass, nochmal über eine Augen-OP nachzudenken. Dabei stellte ich fest, dass sich die Methoden in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt haben. Grade durch die Präzision von Femtosekunden-Lasern sind die Abläufe inzwischen stark automatisiert, so dass der Operateur kaum noch mit Geräten am Auge hantiert.

Deshalb habe ich den Mut gefasst, das Thema ernsthaft anzugehen, die Verwandtschaft nach ihrer Meinung gefragt und in deren ziemlich fachkundigen Bekanntenkreis nach Ratschlägen zu fragen. So landete ich bei der Klink Hohenlind. Meine Erfahrungen schildere ich in einem zweiten Teil.

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Ich verstehe nur Bahnhof

Aktuelle ZOB-Planung

Aktuelle Planung des Busbahnhofs

Der Bahnhofsbereich in Bonn ist ein frustrierendes Thema: Seit 1975 hat sich hier nichts wesentliches verändert und eigentlich genauso lange sind sich alle einig, dass der aktuelle Zustand unbefriedigend ist. Wenn irgendein Bonner keine Meinung zu dem Thema hat, dann liegt das höchstwahrscheinlich daran, dass derjenige es aufgegeben hat, den endlosen Diskussionen zu folgen, an deren Ende doch wieder alles beim Alten bleibt.

Aktuell ist geplant, den Busbahnhof an die Fußgängerzone heranzuholen und den Autoverkehr in einem weiten Bogen am äußeren Rand herumzuführen. Diese Lösung mag manchen seltsam vorkommen und in einigen Details wie der Fahrradfahrer habe ich selbst Bauchschmerzen damit, unter dem Strich wäre es jedoch eine deutliche Verbesserung zum aktuellen Busbahnhof, der in jeder Hinsicht indiskutabel ist.

Letzte Woche ließ der Vorsitzende des Städtebau- und Gestaltungsbeirats, Prof Lütke Daldrup, im Bonner Planungsausschuss kein gutes Haar an der aktuellen Planung. Dieses „Monstrum“ sei verkehrsoptimiert und aus gestalterischer Sicht nicht zu retten. Stattdessen empfahl er, weniger Busse zum Hauptbahnhof fahren zu lassen und behauptete, die Planung sei keine Verbesserung zum aktuellen Zustand. Mit diesen Folgerungen macht Lütke Daldrup es leicht, ihn als weltfremden Spinner abzutun, wie das beispielsweise der Ausschussvorsitzende Rolf Beu tut. In einem Punkt hat er jedoch Recht: Der Bonner Bahnhofsbereich ist vom Verkehr dominiert, insbesondere fahren dort deutlich zu viele Busse. Das wird sich nur in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht ändern lassen, weshalb es falsch wäre, wegen vager Zukunftshoffnungen weiter das aktuelle Dauer-Provisorisum auszuhalten.

Die Lösung der Verkehrsprobleme im Bahnhofsbereich und damit auch des ewigen Streits um den knappen Raum liegt nicht am Bahnhof.

Bis in die 1950er Jahre gab es in Bonn ein durchaus dichtes Straßenbahn-Netz. Die Einstellung der Linien in die westlichen Stadtteile kann man als Erbsünde der Bonner Verkehrspolitik bezeichnen, die uns bis heute begleitet. Während die übrigen Strecken im Laufe der Zeit modernisiert und ausgebaut wurden und bis heute das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs bilden, stapeln sich auf den Strecken in den Bonner Westen heute die Busse. Auf der Meckenheimer Allee, Endenicher Allee und Endenicher Straße fahren die Busse jeweils etwa im 5-Minuten-Takt, teilweise mit Gelenkbussen. Alle diese Busse fahren zum Hauptbahnhof und alle diese Busse sind voll.

Ein Großteil dieser Busse könnte wegfallen, wenn endlich die (irreführend benannte) Hardtbergbahn gebaut würde. Diese Strecke ist seit den 1970er Jahren in Planung und stand mindestens zweimal kurz vor Baubeginn, bevor wieder alles über den Haufen geworfen wurde. Die aktuelle Inkarnation hängt seit Jahren im Nirvana des Genehmigungsverfahrens und soll nach dem Koalitionsvertrag der neuen Jamaika-Koalition im Bonner Stadtrat erneut gekippt werden. Die Vorstellungen von Jamaika entsprechen den rot-grünen Plänen die von 1994 bis 1999 verfolgt wurden – damit wäre das Projekt also effektiv um 20 Jahre zurückgeworfen.

Ich will nicht spekulieren, wann die Hardtbergbahn gebaut wird. Sicher ist nur: In den nächsten 10 Jahren nicht. Und solange es keine Hardtbergbahn gibt, werden wir die Verkehrsprobleme am Hauptbahnhof nicht gelöst bekommen.

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Ein Scheissabend

Mal ein etwas anderer Beitrag, aber ich muss mir gerade etwas von der Seele schreiben. Was ist passiert?

(Warnung, unschöne Szenen)
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Netzneutralität – auf der Schiene?

Die Bahn ist in vielerlei Hinsicht mit dem Internet zu vergleichen.

Durch die Bahn wurde es viel bequemer, mit weit entfernten Menschen in Kontakt zu treten, was zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen führte. Sie war als Transporteur und größter Abnehmer von Kohle und Stahl ein Katalysator der industriellen Revolution. Die Eisenbahntechnik war über Jahrzehnte die Speerspitze des technischen Fortschritts (und ist es in einigen Spezialgebieten noch heute). Anderthalb Jahrhunderte später hat das Internet ganz ähnliche Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Technik.

Die parallelen gehen aber noch weiter: Wie die Netzpolitik ist auch die Bahnpolitik ein Nischenthema, in dem sich neben wenigen Fachleuten viele Interessenvertreter tummeln, die den rechtlichen Rahmen lieber zugunsten des eigenen kurzfristigen Profit anstatt der langfristigen Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems beeinflussen. Und auch hier finden sich marktbeherrschende Unternehmen, denen eine vom Steuerzahler finanzierte Infrastruktur geschenkt wurde, die ständig versuchen, die Netzneutralität auszuhebeln.

Jeder Schienenabschnitt kann immer nur von einem Zug gleichzeitig belegt werden. Damit kann man das Eisenbahnnetz als paketbasiertes Netz (mit Latenzzeiten von oft mehreren Stunden) ansehen. Ähnlich wie im Internet bestimmen letztendlich die einzelnen Vermittlungsknoten (Stellwerke), in welcher Reihenfolge welche Pakete/Züge auf welche Strecke geschickt werden. Die hohen Signal-/Zuglaufzeiten und die begrenzte Leitungs-/Streckenkapazität erfordern ein effizientes Routing, das Umwege möglichst vermeidet und Nutzungskonflikte bereits im Vorfeld klärt. Da Züge durch unterschiedliche Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und Zwischenhalte anders als Datenpakete unterschiedliche Laufzeiten für die gleiche Strecke haben können, muss außerdem eine geeignete Priorisierung gefunden werden.

Seit der Bahnreform 1994 ist das Schienennetz theoretisch offen: Jeder (der sich eine Lizenz besorgt) kann sich eine Lok und ein paar Wagen kaufen (oder mieten) und damit von A nach B fahren. Allerdings kann er seinen Zug nicht einfach so auf die Strecke schicken, sondern muss ihn beim Eigentümer der Strecke anmelden. der Streckeneigentümer (i.A. ist das DB Netz) kümmert sich um den Verbindungsaufbau zwischen A und B und erstellt bei Erfolg einen Fahrplan (genauer: eine Fahrplantrasse), der dem Eigentümer des Zuges verkauft wird. Normalerweise gelten Fahrpläne ein ganzes Jahr lang jeden Tag, aber es ist auch möglich, einen Fahrplan für einen einmalig fahrenden Zug zu bekommen.

Das Schienennetz gehört nun ganz überwiegend der DB, private Strecken schließen meist nur einzelne Endpunkte an das DB-Netz an. Problematisch daran ist, dass die DB gleichzeitig ihr größter Kunde ist: Im Personen-Fernverkehr ist die DB immer noch Beinahe-Monopolist, im Personen-Nahverkehr und im Güterverkehr hat die DB jeweils ca. 75% Marktanteil. Um eine Diskriminierung von nicht-DB-Zügen zu vermeiden, wurde die DB (auf dem Papier) in zwei Unternehmensbereiche für Verkehr und Infrastruktur geteilt.

In der Praxis hat dieses System jedoch deutliche Schwächen. Neben der unvollständigen Trennung der Unternehmensbereiche (die Gewinne der der Netz-Sparte fließen an den Mutterkonzern) ist vor allem die Verquickung des Unternehmen mit dem Staat problematisch. Die DB AG gehört zu 100 Prozent dem Staat (also uns allen), bekommt vom Staat Geld, um Bauprojekte durchzuführen (z.B. Stuttgart 21), muss zur Verschleierung von Haushaltsdefiziten Dividenden abführen und macht ganz massiv Lobbyarbeit in Parlamenten, Regierung und Ministerien. (siehe z.b. das Scheitern des Eisenbahnregulierungsgesetzes vor einigen Wochen) Wäre der Staat ein Unternehmen, würde bei so einer Situation wohl jeder Wirtschaftprüfer Schreikrämpfe bekommen, aber so ist das alles legal.

Geht man etwas weiter ins Detail, dann wird deutlich, dass die interne Trennung der DB einige Merkwürdigkeiten aufweist. Beispielsweise werden auf Bahnhöfen Fahrkarten verkauft, aber nicht von der Gesellschaft, die den Bahnhof betreibt, sondern von einem Unternehmen der DB-Verkehrsgesellschaft. Die sich dann natürlich weigert, Fahrkarten für andere Unternehmen, wie z.B. HKX zu verkaufen. Auch die Internetseite bahn.de, gehört nicht zu DB Netze. Die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen, exemplarisch seit auf das Strompreissystem verwiesen, dessen Mengenrabatte faktisch nur DB-Unternehmen zugute kommen und seit gut zehn Jahren das Kartellamt beschäftigen.

Ein diskriminierungsfreies Bahnnetz wäre ein Gewinn für uns alle. Für die Fahrgäste, weil es endlich eine echte Konkurrenz zwischen Bahnunternehmen geben könnte. Für die Steuerzahler, weil im DB-Konzern viel Geld auf undurchsichtigen Wegen versickert. Für die Allgemeinheit, weil ein effizienterer Bahnverkehr Straßen- und Luftverkehr Marktanteile abnehmen kann und somit hilft Resourcen sinnvoller einzusetzen.

Dazu braucht es entweder eine sehr effektive Regulierung, oder – einfacher und wahrscheinlich erfolgversprechender – eine echte Aufteilung des DB-Konzerns, wobei Schienennetz, Energieversorgung und Bahnhöfe (inklusive Fahrkartenverkauf und Fahrplaninformation vor Ort und im Internet) von den Verkehrsunternehmen getrennt und verstaatlicht oder zumindest in eine nicht gewinnorientierte Gesellschaft oder Stiftung überführt wird. Unter Umständen könnte es auch noch sinnvoll sein, die Verkehrsunternehmen in mehrere konkurrierende Gesellschaften zu zerlegen, aber das müsste man noch ausführlich diskutieren. Die übrigen Punkte sind eigentlich selbstverständlich, stehen immer wieder auf der Agenda, werden aber immer wieder durch Lobbyarbeit des Staatskonzerns oder seiner Hausgewerkschaft verhindert.

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Denkt denn keiner an die Menschen?

Edward Snowden ist ein Geschenk für die Piraten. Sollte man meinen. Ein Überwachungsskandal gigantischen Ausmaßes, von dem praktisch alle unsere potentiellen Wähler etwas mitgekriegt haben sollten. ein Skandal, wie wir ihn schon immer prophezeit haben.

Nette Idee, versteht nur keine Sau

Nette Idee, versteht nur keine Sau

Warum rennen also uns die Leute nicht die Bude ein? Das Plakat rechts ist ein ziemlich typisches Beispiel für unsere kommunikation in dieser Sache. Selbst ich als Pirat musste erst eine Sekunde überlegen, was in diesem Zusammenhang mit „BDA“ gemeint ist.

Ein Experiment: Fragt mal auf der Straße ein paar zufällig ausgewählte Passanten nach PRISM oder TEMPORA. Selbst wenn Ihr eine korrekte Antwort bekommt wird die Person fast sicher mehrere Sekunden nachdenken müssen, was es damit auf sich hat. Direkt mit dem NSA-Datenstaubsauger und dem Drama um den Whistleblower Snowden werden es die wenigsten sofort assoziieren. Und jetzt überlegt mal, wie Ihr im Alltag Nachrichten lest, Werbung betrachtet. Ich behaupte, Ihr überfliegt sie äußerst flüchtig und nur wenn Euer Auge an etwas bekanntem, das Euch interessiert, hängenbleibt, widmet Ihr der Meldung Eure volle Aufmerksamkeit.

Das bedeutet für die Praxis, dass viele potentielle Wähler uns gar nicht wahrnehmen, wenn wir mit weitgehend unbekannten Begriffen um uns werfen. Dass wir bei Leuten, die mit unseren Positionen übereinstimmen würden, gar nicht die Aufmerksamkeitsschwelle überwinden.

Wir sind angetreten als mündige Bürger, die Politik für mündige Bürger machen wollen. das bedeutet aber auch, dass wir die Wähler mündig machen müssen. dass wir erklären müssen, was Sache ist, welche Schweinereien da laufen, warum das alle Bürger betrifft. Wenn Ihr eurer Oma das Internet erklären sollt, fangt Ihr auch nicht mit TCP/IP an, oder? Selbst wenn Ihr die Prinzipien dieser Protokolle erklärt, haben die Namen der Protokolle für sie keinerlei Relevanz, oder? Bei einem Artikel über ein Auto ist es auch wichtiger, ob ein Motor mit Benzin oder Diesel läuft, welche Leistung er erbringt, was er verbraucht, als seine genaue Typenbezeichnung, oder? Wenn ich über ein Fußballspiel rede, ist das Ergebnis wichtiger als die Frage, ob die Trikots kirschrot, bordeauxrot oder verkehrsrot sind, oder?

Wir müssen uns immer in die Position des Empfängers hineindenken. Wir müssen in der Lage sein, situationsabhängig unterschiedlich stark zu vereinfachen. Fachvokabular gilt es, möglichst ganz zu vermeiden. Wir treten dafür an, dass Politik kein geschlossener Zirkel bleiben darf. Dass sich jeder jederzeit beteiligen können soll. Dann dürfen wir auch keine Hürden aufbauen. Schon in unserem eigenen Interesse nicht.

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