S13

Wegen eines Artikels im aktuellen SPIEGEL wird in Bonn aktuell wieder über die S13 diskutiert. Leider ist der Artikel „Schildbürger in Bonn – Pläne für eine neue Flughafen-S-Bahn“ – wie so viele verkehrspolitische Artikel im Spiegel und vielen Zeitungen – sehr meinungsstark, aber von erschreckender Inkompetenz geprägt. Um die Diskussion zu versachlichen, will ich versuchen zu erklären, was es mit der S13 auf sich hat.

Worum geht es überhaupt?

Verlauf der S13-Verlängerung
Die Eisenbahnstrecke von Troisdorf nach Bonn-Oberkassel soll, je nach Platzverhältnissen, drei- bis viergleisig ausgebaut werden. So weit, so unspektakulär. Zusätzlich werden in Vilich und Ramersdorf neue Stationen gebaut. In Ramersdorf wird das nicht mehr als ein Bahnsteig am Streckenrand. In Vilich wird die Haltestelle der 66 auf die Brücke über die Bahnstrecke versetzt und die Stadtbahn-Bahnsteige direkt mit dem neuen Bahnsteig für die S-Bahn verbunden.

Welchen Sinn hat das?

Die rechtsrheinische Bahnstrecke ist primär für den Güterverkehr vorgesehen. Fast der gesamte Güterverkehr von den holländischen und belgischen Seehäfen nach Süddeutschland kommt hier vorbei. Von Duisburg bis Troisdorf hat der Güterverkehr eigene Gleise, ab Troisdorf fahren stündlich zwei Regionalzüge mit. Diese Situation ist unglücklich, weil die Regionalzüge durch die vielen Halte langsamer sind als die Güterzüge. Deshalb muss hinter jedem Personenzug eine größere Lücke gelassen werden, damit kein Güterzug von hinten aufläuft. Dadurch ist die Strecke komplett überlastet.

Der Plan ist deshalb, die S13 von Troisdorf auf eigenen Gleisen nach Oberkassel zu verlängern. Weil die S13 auf ihren eigenen Gleisen keine Rücksicht auf den Güterverkehr nehmen muss, kann statt der RB27 im Stundentakt alle 20 Minuten eine S-Bahn fahren. Außerdem sind zusätzliche Halte möglich: In Vilich wird eine direkte Umsteigemöglichkeit zur 66 geschaffen, wodurch das gesamte Nahverkehrsnetz einen bedeutsamen neuen Knoten erhält. In Ramersdorf entsteht die S-Bahn-Station neben der Haltestelle „Schießbergweg“ der 62: Neben der Umsteigemöglichkeit spielt hier vor allem die direkte Erschließung des Arbeitsplatzschwerpunkts auf dem Telekom-Gelände eine Rolle. Zusätzlich fährt der RE8 weiterhin stündlich, hält aber nur noch in Troisdorf, Beuel und Oberkassel und fügt sich daher besser zwischen die Güterzüge ein. Im Ergebnis hat man einen verbesserten Personenverkehr (doppelt so viele Züge wie bisher) und mehr Kapazität für den Güterverkehr. Im Prinzip eine Win-Win-Situation.

Weshalb ist das Projekt umstritten?

Neben dem „Bund der Steuerzahler“ gibt es auch ernstzunehmende Gruppen, die das Projekt kritisieren. Auf der einen Seite sind da die Naturschützer, die sich daran stören, dass neben der bestehenden Brücke über die Sieg eine weitere Brücke gebaut werden soll, auf der anderen Seite eine Gruppe, die sich um den Güterbahnhof Bonn-Beuel konzentriert. Beide Gruppen waren sehr erfolgreich darin, das Projekt zu verzögern und die Kosten in die Höhe zu treiben. Am Beueler Bahnhof spielen vor allem die Rhein-Sieg-Eisenbahn(RSE) und der VW-Entfallteilehandel eine Rolle, die derzeit den Güterschuppen nutzen, der den neuen Gleisen im Weg steht.

Ein weiteres Problem ist die Bezeichnung der S13 als „Flughafen-S-Bahn“: Diese Bezeichnung macht das Projekt zwar für geltungssüchtige Politiker sexy, verschleiert aber die eigentliche Bedeutung des Projekts und gibt ihm den Geruch eines sinnlosen Prestigebaus.

Zur S13 gibt es noch viel mehr zu schreiben, aber ich denke, ich lasse das als ersten Teil so stehen. Neben Kommentaren und Anregungen freue ich mich auch über Fragen, die man in den nächsten Teilen beantworten sollte.

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6 Antworten zu S13

  1. Frank Donner-Weyel schreibt:

    Sehr guter Artikel! Einfach sachlich und an Fakten orientiert.

  2. Pingback: Hammer-Zweisystembahn (S13, zweiter Teil) | A View from the Bridge

  3. Helsiegel schreibt:

    Dem kann ich nur beipflichten, das Projekt klingt für mich zunächst auch sehr sinnvoll. Bei längeem Nachdenken aber bleibt ein schaler Geschmack, weil die Anbindung des linksrh. Bonns weiterhin über das Siegburger Strassenbähnchen erfolgt. Es entsteht der Eindruck, dass das dringendste Problem: die Überlastung der linksrh. Schienen nicht angegangen wird. Nebenbei bemerkt: Eine S-Bahn-Anbindung Bonn-Hbf über den Flughaften nach Köln würde dieses Problem etwas entschärfen, selbst wenn es ein wenig nach Profilierng riecht, oder nicht ?
    lbg

    • bridgerdier schreibt:

      Linksrheinisch tut sich ganz allmählich auch etwas. Als erstes hat letztes Jahr der RE5 einen zusätzlichen Wagen bekommen, der zumindest die Überfüllung dieses Zuges gelindert hat. Ab 2015 soll es morgens und nachmittags eine weitere stündliche Regionalbahn geben, die in Bonn und Köln jeweils zur Minute :08 abfährt – dadurch wird die Taktlücke von fast 40 Minuten verkleinert. Weitere Verbesserungen hängen am Rhein-Ruhr-Express bzw. am S-Bahn-Westring in Köln.

      Die 66 ist zunächst so schlecht nicht. Bis auf ein kurzes Stück auf der Sankt Augustiner Straße ist die Strecke komplett vom Straßenverkehr getrennt und an der Ampelschaltung kann man noch arbeiten.

  4. Kurt-Georg schreibt:

    Spannend, danke!

    Zwei Sachen fallen mir auf.

    Die Eisenbahner vom Beueler Bahnhof scheinen mir aus der Ferne betrachtet keine Gegner von sinnvollen Bahnverkehrslösungen zu sein. Da würde ich gerne mehr wissen. Daß der VW-Teilehandel seine Räumlichkeiten behalten möchte, scheint mir logisch.

    Die 66 ist zwar von Vilich ruckzuck in Siegburg, aber zum Bonner Bahnhof braucht die eine gefühlte Ewigkeit. Wie kommt es, daß die für die paar Stationen so elend lang braucht und was müßte man machen, damit sich das mal auf angemessene Zeiten verkürzt? Oder auch, warum kann man da nichts machen?

  5. Pingback: Wahlinfo – Hammer-Zweisystembahn (S13, zweiter Teil)

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