Befreit die Fahrplandaten!

Heute macht die Kooperation von Google und der DB Schlagzeilen, bei der die DB Google ihre Fahrplandaten für die Integration in Google Maps kostenlos zur Verfügung stellt. Als Nutzer begrüße ich das natürlich, aber andererseits ist die Kritik von Lorenz Matzat völlig berechtigt, dass der Öffentlichkeit viel mehr geholfen wäre, wenn die Bahn diese Daten nicht nur Google, sondern der Allgemeinheit zur Verfügung stellen würde.

Im Kern geht es um Open Data: Wenn die Daten frei verfügbar sind, wird auch jemand etwas damit anfangen. Das kann eine betreiberunabhängige Fahrplanauskunft wie Öffi sein, aber auch völlig neue Anwendungen wie der Zugmonitor der SZ.

Das Problem dabei: Daten brauchen Schnittstellen. Schnittstellen, um Daten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen, Schnittstellen, um es selbst besser zu machen als die Großunternehmen oder Behörden, die diese Daten bereitstellen.

Das Datenproblem für Bahnkunden reicht aber noch weiter: Bei der Bahnreform von 1994 hat jemand gewaltig gepennt und nicht geregelt, wer für Fahrgastinformation und Fahrpläne zuständig ist. Eigentlich sollte man erwarten, dass DB Netze, die allen Bahnunternehmen die Strecke vermietet und Fahrpläne zuteilt (und an den Bahnhöfen selbstverständlich auch Fahrpläne aushäung und über Verspätungen informiert), auch für das Drucken der Kursbücher und bahn.de zuständig sei. Tatsächlich gehört die Domain aber DB Vertrieb, einer Tochter der DB Mobility Logistics, zu der auch DB Fernverkehr und DB Regio gehören. Das hat zur Folge, dass sämtliche Züge von nicht-DB-Unternehmen nur aus gutem Willen (und wegen einiger Gerichtsurteile) in der Fahrplanauskunft auftauchen. Verspätungsdaten von Privatbahnen gibt es aber nur, wenn die Privatbahn dafür zusätzlich Kohle abdrückt.

Noch schlimmer ist die Lage bei kommunalen Unternehmen: Die meisten U- und Straßenbahnbetriebe und immer mehr Busunternehmen haben Echtzeitdaten über die Position ihrer Fahrzeuge und bespielen damit z.B. Anzeigetafeln auf den Bahnsteigen. Wenn der Fahrgast Glück hat, werden diese Daten auch dem Verkehrsverbund für dessen Fahrplanauskunft weitergereicht. Dort endet die Kette aber. Auf bahn.de tauchen nur die Soll-Daten auf, wer an der aktuellen Verkehrslage fr eine größere Strecke interessiert ist, muss sich die aktuellen Verspätungen aus mehreren Systemen zusammensuchen.

Meiner Meinung nach wäre es die Aufgabe der Politik, einen allgemeinen, neutralen Datenpool zu schaffen, in den alle Unternehmen die Ist-Daten ihrer Busse und Bahnen einspeisen und aus dem sich dann jedermann die Daten heraussuchen kann, die für ihn von Relevanz sind – egal ob über bahn.de, Öffi oder ein völlig anderes Werkzeug, das wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können.

Als ersten Schritt in diese Richtung hat Oliver Bayer im NRW-Landtag dankenswerterweise eine kleine Anfrage von mir eingereicht, deren Antwort demnächst fällig ist. Ich bin gespannt.

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8 Antworten zu Befreit die Fahrplandaten!

  1. elba013 schreibt:

    Nach meiner Beobachtung kommen zwar fast alle Züge von nicht-DB-Unternehmen in der DB-Auskunft vor, bei Google Transit fehlen jedoch die meisten. Ebenso übermittelt die DB an Google offensichtlich keine Daten zu anderen ÖV-Angeboten (Bus, Tram, U-Bahn), was wegen der adressscharfen Suche in Google Maps dann zu vielen Taxifahrten, komischen Umwegen und Fußwegen bis 30 Minuten führt. Ich sage mal: mit Open Data wäre man weiter. Siehe auch http://www.pro-bahn.de/aktuell/ (Eintrag 17.9.12).
    Übrigens auf der DB-Werbegrafik https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/header/header_mit_text/september/2012/mdb_90923_google_kw38_980x304_hq.jpg sieht es so aus, als wären S-Bahn und ICE im Straßenbahnmodus unterwegs (schmückt ab heute einen ICE – https://twitter.com/pumuckel87/status/247686502677626880/photo/1)

  2. Jens schreibt:

    „Ebenso übermittelt die DB an Google offensichtlich keine Daten zu anderen ÖV-Angeboten (Bus, Tram, U-Bahn),“

    Ach. Wäre ja auch seltsam, da es ja nicht ihre Daten sind.

    • bridgerdier schreibt:

      Ähem, wo schreibe ich das?

      Abgesehen davon: Sobald es um Daten über Verkehr geht, der in öffentlichem Auftrag und von öffentlichen Stellen subventioniert betrieben wird (also im Prinzip der gesamte Personenverkehr mit Ausnahme der paar hundert IC/ICE-Züge), könnte man sich auf den Standpunkt stellen, dass diese Daten sowieso der Öffentlichkeit gehören (sollten)

    • elba013 schreibt:

      Geschrieben hatte ich das. Und es wäre halt genau so seltsam, als wenn die DB diese Daten in ihrem eigenem Auskunftssystem verwenden und verbreiten würde.

  3. Jonathan schreibt:

    Sehr schöne Initiative, das Problem mal an der Wurzel zu packen.
    Allerdings halte ich das Vorgehen von DB Vertrieb auch im eigenen Interesse nicht für klug, schließlich muss es doch insgesamt darum gehen, das System ÖPNV attraktiv zu machen. Rechtliche Probleme sind da bestimmt nicht immer der Grund bzw. ließen sich mit gutem Willen lösen. Letzlich gibt es sowieso zumindest derzeit nur einen Wettbewerb der Systeme und nicht wirklich von unterschiedlichen Anbietern (bei den Endkunden)

    • Jens schreibt:

      Welches Vorgehen ist nicht klug? DB Vertrieb hat vorgelegt. Andere Anbieter werden nachziehen. Spätestens wenn die Kunden sich beschweren, dass das bei der Deutschen Bahn doch auch geht. Die Software für den Export gibt es ja schon.

  4. Jonathan schreibt:

    Die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage gibt es übrigens hier: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument?Id=MMD16%2F979%7C1%7C0

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