Ich verstehe nur Bahnhof

Aktuelle ZOB-Planung

Aktuelle Planung des Busbahnhofs

Der Bahnhofsbereich in Bonn ist ein frustrierendes Thema: Seit 1975 hat sich hier nichts wesentliches verändert und eigentlich genauso lange sind sich alle einig, dass der aktuelle Zustand unbefriedigend ist. Wenn irgendein Bonner keine Meinung zu dem Thema hat, dann liegt das höchstwahrscheinlich daran, dass derjenige es aufgegeben hat, den endlosen Diskussionen zu folgen, an deren Ende doch wieder alles beim Alten bleibt.

Aktuell ist geplant, den Busbahnhof an die Fußgängerzone heranzuholen und den Autoverkehr in einem weiten Bogen am äußeren Rand herumzuführen. Diese Lösung mag manchen seltsam vorkommen und in einigen Details wie der Fahrradfahrer habe ich selbst Bauchschmerzen damit, unter dem Strich wäre es jedoch eine deutliche Verbesserung zum aktuellen Busbahnhof, der in jeder Hinsicht indiskutabel ist.

Letzte Woche ließ der Vorsitzende des Städtebau- und Gestaltungsbeirats, Prof Lütke Daldrup, im Bonner Planungsausschuss kein gutes Haar an der aktuellen Planung. Dieses „Monstrum“ sei verkehrsoptimiert und aus gestalterischer Sicht nicht zu retten. Stattdessen empfahl er, weniger Busse zum Hauptbahnhof fahren zu lassen und behauptete, die Planung sei keine Verbesserung zum aktuellen Zustand. Mit diesen Folgerungen macht Lütke Daldrup es leicht, ihn als weltfremden Spinner abzutun, wie das beispielsweise der Ausschussvorsitzende Rolf Beu tut. In einem Punkt hat er jedoch Recht: Der Bonner Bahnhofsbereich ist vom Verkehr dominiert, insbesondere fahren dort deutlich zu viele Busse. Das wird sich nur in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht ändern lassen, weshalb es falsch wäre, wegen vager Zukunftshoffnungen weiter das aktuelle Dauer-Provisorisum auszuhalten.

Die Lösung der Verkehrsprobleme im Bahnhofsbereich und damit auch des ewigen Streits um den knappen Raum liegt nicht am Bahnhof.

Bis in die 1950er Jahre gab es in Bonn ein durchaus dichtes Straßenbahn-Netz. Die Einstellung der Linien in die westlichen Stadtteile kann man als Erbsünde der Bonner Verkehrspolitik bezeichnen, die uns bis heute begleitet. Während die übrigen Strecken im Laufe der Zeit modernisiert und ausgebaut wurden und bis heute das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs bilden, stapeln sich auf den Strecken in den Bonner Westen heute die Busse. Auf der Meckenheimer Allee, Endenicher Allee und Endenicher Straße fahren die Busse jeweils etwa im 5-Minuten-Takt, teilweise mit Gelenkbussen. Alle diese Busse fahren zum Hauptbahnhof und alle diese Busse sind voll.

Ein Großteil dieser Busse könnte wegfallen, wenn endlich die (irreführend benannte) Hardtbergbahn gebaut würde. Diese Strecke ist seit den 1970er Jahren in Planung und stand mindestens zweimal kurz vor Baubeginn, bevor wieder alles über den Haufen geworfen wurde. Die aktuelle Inkarnation hängt seit Jahren im Nirvana des Genehmigungsverfahrens und soll nach dem Koalitionsvertrag der neuen Jamaika-Koalition im Bonner Stadtrat erneut gekippt werden. Die Vorstellungen von Jamaika entsprechen den rot-grünen Plänen die von 1994 bis 1999 verfolgt wurden – damit wäre das Projekt also effektiv um 20 Jahre zurückgeworfen.

Ich will nicht spekulieren, wann die Hardtbergbahn gebaut wird. Sicher ist nur: In den nächsten 10 Jahren nicht. Und solange es keine Hardtbergbahn gibt, werden wir die Verkehrsprobleme am Hauptbahnhof nicht gelöst bekommen.

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